Rundgang · Einstieg
Hubert Ritter (1886–1967)
1886–1912 · München
Herkunft und Ausbildung
17. März 1886: Geburt in Nürnberg. Großvater Lorenz und Großonkel Paul sind wie sein früh verstorbener Vater Paul d. J. bekannte Nürnberger Architektur- bzw. Historienmaler.
1888 Übersiedelung nach München. 1905–1909 Architekturstudium an der Technischen Hochschule München. Prägend wird sein Lehrer Friedrich von Thiersch (1852–1921). 1911 Heirat mit Jugendfreundin Margret Krauss (5 Kinder). 1912 Ernennung zum Regierungsbaurat von Oberbayern.
Hubert Ritter wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf. Auf beiden Seiten seiner Familie fanden sich Künstler und Wissenschaftler. Huberts Großvater, der Aquarellist und Zeichner Lorenz Ritter (1832–1921), sowie dessen Bruder, der Historienmaler Paul Ritter (1829–1907), hatten Einfluss auf sein frühes Interesse an der künstlerischen Auseinandersetzung mit Architektur und Stadtansichten.

1913–1924 · Köln
Kölner Jahre
1913/14 Ernennung zum Stadtbaumeister in Köln, Förderung durch Konrad Adenauer. Planungen u. a. für den Umbau des Kölner Rathauses, Neubau des Stadtverordnetensaals und diverser Schulen, Entwürfe für ein historisches Museum und die Umgestaltung von Gürzenich und Domumgebung. Ritter beschäftigt sich erstmals umfassend mit städtebaulichen Planungen.
1915–1919 Meldung zum Kriegsdienst; Versetzung nach Belgien zum Aufbau einer vlämischen Universität; ab Herbst 1917 abgeordnet nach Köln ans Kriegsamt; Verweigerung der Promotion durch den Oberbürgermeister Konrad Adenauer.
Die Kölner Jahre gehören zu den künstlerisch kreativsten in Ritters Laufbahn. Durch seine Stellung als Leiter der Hochbauverwaltung musste er sich mit unterschiedlichen Bauaufgaben beschäftigen. Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieben viele Entwürfe unausgeführt. Beim Umbau des Alten Kölner Rathauses in den Jahren 1914/15 schuf Ritter eine Reihe prachtvoller historistischer Innenräume in unterschiedlichen Stilen.

1924–1933 · Leipzig
Stadtbaurat in Leipzig – Weimarer Republik
1924 Ernennung zum Stadtbaurat für Hochbau in Leipzig. Ritter zieht außerdem die Stadtplanung und die Baupolizei an sich und leitet einen der größten Bereiche der Stadtverwaltung mit mehr als einhundert Mitarbeitern. Es entstehen ca. 8.000 Wohnungen, drei Schulen und mehrere Krankenhäuser, Feuerwache, Planetarium, Westbad und Großmarkthalle. Ritter übernimmt die Gesamtplanung beim Neubau des Grassimuseums.
1929 legte Ritter den Stadtverordneten mit dem Generalbebauungsplan seinen Entwurf für eine moderne Stadtplanung vor. Im Mittelpunkt stand die funktionale Trennung von Arbeiten, Wohnen und Erholung, eine Verkehrsplanung, die alle Arten des Verkehrs berücksichtigte, und der gezielte Grünflächenausbau.
1930: Die Bewerbung um eine zweite Amtszeit scheitert an den Gegenstimmen von SPD, KPD und NSDAP u. a. wegen des Vorwurfs der Verschwendung öffentlicher Gelder; Ritter wird freiberuflich tätig und findet u. a. im Krankenhausbau ein neues Betätigungsfeld. 1932 Promotion in Hannover über „Der Krankenhausbau der Gegenwart im In- und Ausland”.

1933–1945 · Leipzig / Krakau / Luxemburg
Hubert Ritter im Nationalsozialismus
Ende der 1920er Jahre geriet Ritter zwischen die politischen Fronten. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich zunächst nichts an seiner Situation als freier Architekt. Doch Ende Juli 1940 suchte Ritter den sächsischen Gauamtsleiter Kurt Gruber in Dresden auf. Kurze Zeit später erhielt er einen Auftrag als „Sonderbeauftragter für den Generalbebauungsplan von Krakau” aus dem Reichsinnenministerium in Berlin.
1940/41 Arbeit am Generalbebauungsplan für das besetzte Krakau, das zum Regierungssitz des „Generalgouvernements” ausgebaut werden soll. In seinem Generalbebauungsplan plante Ritter separate Wohn-, Arbeits- und Erholungsbereiche entsprechend der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Im März 1941 trat er in Krakau der NSDAP bei (Nr. 8.691.988).
1941–1944 Berufung in das besetzte Luxemburg für einen Generalbebauungsplan zum Ausbau der Stadt zum Verwaltungszentrum; anschließend Tätigkeit in Koblenz als Sachverständiger und Werksbeauftragter für unterirdische Rüstungsbetriebe im Ahrtal.

1945–1967 · Leipzig / München
Nachkriegszeit
Anfang Juni 1945 kehrte Ritter nach Leipzig zurück und begann im Herbst wieder als Privatarchitekt zu arbeiten. Der Zentralverwaltung der Sowjetischen Besatzungszone bot sich Ritter als Spezialist für Städtebau und Krankenhausplanung an.
Ab 1946 beteiligte er sich an Diskussionen um den Wiederaufbau Leipzigs und an mehreren Wettbewerben – u. a. zum Neubau eines Opernhauses am Karl-Marx-Platz und zum Wiederaufbau Dresdens. Im Juni 1950 lobte die Kritik die große Glasfront des Opernhausentwurfs.
1952 Übersiedlung nach München und Gründung eines gemeinsamen Architekturbüros mit Sohn Hans-Jörg Ritter. Schwerpunkt: Krankenhausbau. Daneben entstehen städtebauliche Projekte, Ein- und Mehrfamilienhäuser, Hotels und Gaststätten in Bayern und Südtirol. 1956 erarbeitet Ritter einen Generalplan für das Krankenhaus St. Elisabeth (Kloster Azlburg) in Straubing.
1963 Rückzug aus der aktiven Architektentätigkeit. Am 25. Mai 1967 verstirbt Hubert Ritter in München.

Stadtarchiv Leipzig: StadtAL_0563_BA_2018_4539-1
Lebensdaten
- 1886
- 17. März Geburt in Nürnberg, Großvater Lorenz und Großonkel Paul sind wie sein früh verstorbener Vater Paul d. J. bekannte Nürnberger Architektur- bzw. Historienmaler.
- 1888
- Übersiedelung nach München.
- 1905–1909
- Architekturstudium an der Technischen Hochschule München. Prägend wird sein Lehrer Friedrich von Thiersch (1852–1921).
- 1911
- Heirat mit Jugendfreundin Margret Krauss (5 Kinder).
- 1912
- Ernennung zum Regierungsbaurat von Oberbayern.
- 1913/14
- Ernennung zu Stadtbaumeister in Köln, Förderung durch Konrad Adenauer; Planungen u.a. für den Umbau des Kölner Rathauses, Neubau des Stadtverordnetensaals und diverser Schulen, Entwürfe für ein historisches Museum und die Umgestaltung von Gürzenich und Domumgebung. Ritter beschäftigt sich erstmals umfassend mit städtebaulichen Planungen.
- 1915–1919
- Meldung zum Kriegsdienst; Versetzung nach Belgien zum Aufbau einer vlämischen Universität; ab Herbst 1917 abgeordnet nach Köln ans Kriegsamt; Verweigerung der Promotion durch den Oberbürgermeister Konrad Adenauer.
- 1924
- Ernennung zum Stadtbaurat für Hochbau in Leipzig. Ritter zieht außerdem die Stadtplanung und die Baupolizei an sich und leitet einen der größten Bereiche der Stadtverwaltung mit mehr als einhundert Mitarbeitern. Es entstehen ca. 8.000 Wohnungen, drei Schulen und mehrere Krankenhäuser, Feuerwache, Planetarium, Westbad und Großmarkthalle. Ritter übernimmt die Gesamtplanung beim Neubau des Grassimuseums.
- 1930
- Die Bewerbung um eine zweite Amtszeit scheitert an den Gegenstimmen von SPD, KPD und NSDAP u. a. wegen des Vorwurfs der Verschwendung von öffentlichen Geldern; Ritter wird freiberuflich tätig und findet u.a. im Krankenhausbau ein neues Betätigungsfeld.
- 1932
- Promotion in Hannover über den Krankenhausbau der Gegenwart.
- 1940/41
- Arbeit am Generalbebauungsplan für das besetzte Krakau, das zum Regierungssitz des neu eingerichteten „Generalgouvernements“ ausgebaut werden soll.
- 1941–1944
- Ritter wird in das von deutschen Truppen besetzte Luxemburg berufen, um dort einen Generalbebauungsplan für den Ausbau der Stadt zum Verwaltungszentrum vorzubereiten, anschließend Tätigkeit in Koblenz als Sachverständiger für die Industrie- und Handelskammer und als Werksbeauftragter für unterirdische Rüstungsbetriebe im Ahrtal.
- 1945
- Nach Kriegsende Rückkehr nach Leipzig und Versuch, dort beruflich wieder Fuß zu fassen; Errichtung einer Klinik im Auftrag der sowjetischen Kommandantur; Beteiligung an Wettbewerben, u. a. zum Wiederaufbau Dresdens und zum Neubau der Oper in Leipzig.
- 1952
- Übersiedlung nach München und Mitarbeit im Architekturbüro seines Sohnes Hans-Jörg Ritter: Wohnhäuser, Hotelbauten in Tirol, diverse Krankenhauserweiterungen und Sachverständigentätigkeit.
- 1965
- Rückzug aus der aktiven Architektentätigkeit.
- 1967
- Am 25. Mai verstirbt Hubert Ritter in München.